Im sonderpädagogischen Alltag sehen wir uns mit einer Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert. Eine davon ist herausforderndes Verhalten, ein Verhalten, das den Menschen um die betreffende Person Probleme bereitet. Der Workshop thematisiert ein entwicklungsgerechtes, praxiserprobtes Konzept für SchülerInnen mit besonderen Anforderungen an die Lernumgebung. Zentrale Themen sind Interaktion und Kommunikation, Kooperation, Verhalten und die Berücksichtigung der Emotionalen Entwicklung. Das Konzept wurde mit SchülerInnen aus dem Autismusspektrum an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung umgesetzt, vieles lässt sich sicherlich aber auch auf andere Personenkreise und Schulformen übertragen. Zentraler Inhalt des Workshops ist die Vorstellung eines praxiserprobten, entwicklungsgerechten Klassenkonzepts. Die Konzeptentwicklung erfolgte in Anlehnung an Nina Fröhlichs Konzeption zu einem Lernstudio an ihrer Schule und beinhaltet ein entwicklungsgerechtes Lernsetting für SchülerInnen aus dem Autismusspektrum mit besonderen Anforderungen an die Lernumgebung.
Im Schuljahr 23/24 machte sich ein vermehrtes Auftreten von besonders herausfordernden Verhaltensweisen bei unseren SchülerInnen an einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung bemerkbar, Schulneulinge hatten bis dato die Kita kaum oder gar nicht besucht. Eine Analyse ergab, dass unser Lernumfeld nicht an den Bedarfen der SchülerInnen ausgerichtet war (häufige Phasenwechsel, feste Essenszeiten, Teilnahme am Morgenkreis, Verweildauer am Platz u.a.). So starteten wir im Schuljahr 24/25 mit unserem entwicklungsgerechten Konzept in einer Klasse.
Interaktion und Kommunikation, Kooperation, Emotionale Entwicklung und Verhalten sind die wesentlichen Bausteine des Konzeptes. Wir arbeiten nach dem „Los-Arousal“-Ansatz nach Bo Hejlskov Elvén und beobachten herausforderndes Verhalten nach dem Ansatz „(K)eine Alternative?!“ nach Castañeda, Fröhlich, Waigand. Bestandteil unserer Arbeit ist daher die Arbeit mit dem DIP-HV (Diagnostik und Interventionsplanung Herausforderndes Verhalten), bei der Förderplanung arbeiten wir mit dem KIAS (Kompetenzinventar für die Entwicklungsbegleitung von Kindern aus dem Autismusspektrum).
Die Situation in den „regulären“ Klassen hat sich seit Einführung deutlich entspannt. SchülerInnen, die im „regulären“ Konzept massive Eigen- und Fremdverletzung zeigten, zeigen diese kaum oder gar nicht mehr. SchülerInnen, die kaum bis gar nicht die Schule oder Kita besuchten, besuchen die Schule in einem deutlich höheren Umfang.
Grundlage des Konzepts bilden die Inhalte der Multiplikatorenausbildung bei Nina Fröhlich und Claudio Castañeda zu herausforderndem Verhalten sowie die Inhalte zahlreicher Weiterbildungen (u.a. Emotionale Entwicklung, Low Arousal, Studio 3, Intensive Interaction).

